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Arbeitsrecht

Mehrere Elternzeit-Abschnitte geplant – gilt der Kündigungsschutz jedes Mal neu?

Wer Elternzeit in mehreren Abschnitten nimmt, fragt sich zu Recht, ob der Kündigungsschutz nur für den ersten Abschnitt gilt. Die Antwort betrifft jede Ankündigung einzeln – mit klaren Fristen.

Artikel anhörenKI-Stimme · 9 Min.

Sie planen Elternzeit nicht am Stück, sondern in mehreren Etappen – zum Beispiel ein Jahr direkt nach der Geburt und später noch einmal ein paar Monate, wenn Ihr Kind eingeschult wird. Jetzt sorgen Sie sich, ob Ihr Arbeitgeber genau in der Lücke dazwischen kündigen darf, oder ob der Kündigungsschutz jeden einzelnen Abschnitt trägt.

Kurz gesagt

Ja: Der besondere Kündigungsschutz aus § 18 BEEG setzt für jeden Elternzeit-Abschnitt einzeln ein – unabhängig davon, ob mehrere Abschnitte in einem einzigen Schreiben oder nacheinander angekündigt werden. Der Schutz beginnt dabei jeweils erst höchstens 8 bzw. 14 Wochen vor dem Beginn des jeweiligen Abschnitts, auch wenn dieser Abschnitt schon früher angekündigt wurde. Entscheidend ist deshalb, dass Sie die Fristen für die Ankündigung jedes Abschnitts sauber einhalten und für jeden Abschnitt einzeln prüfen, ab wann der Schutz tatsächlich greift.

Womit ich Ihnen helfe

Der vorwirkende Kündigungsschutz – wie er funktioniert

§ 18 Abs. 1 BEEG schützt Sie nicht erst, sobald die Elternzeit beginnt, sondern schon vorher – „vorwirkend“, wie es im Juristendeutsch heißt. Der Schutz greift ab dem Zeitpunkt, ab dem Sie die Elternzeit gegenüber Ihrem Arbeitgeber verlangt haben, frühestens jedoch:

Während der Elternzeit selbst darf Ihr Arbeitgeber Ihnen grundsätzlich gar nicht kündigen – Ausnahmen lässt nur die zuständige Landesbehörde in besonderen Fällen zu, etwa bei einer Betriebsstilllegung. Der Schutz gilt nach § 18 Abs. 2 BEEG entsprechend auch, wenn Sie während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten.

Jeder Abschnitt zählt für sich – das ist der entscheidende Punkt

Nehmen Sie Elternzeit in mehreren Abschnitten, stellt sich die Frage, ob nur der erste angekündigte Abschnitt geschützt ist oder jeder einzelne. Nach § 18 Abs. 1 BEEG gilt: Kündigen Sie mehrere Elternzeit-Abschnitte in einem Schreiben gemeinsam an, beginnt der vorwirkende Schutz für jeden dieser Abschnitte gesondert – jeweils gerechnet mit dem für ihn geltenden 8- oder 14-Wochen-Vorlauf vor seinem eigenen Beginn. Es kommt also nicht darauf an, ob Sie formal ein oder mehrere Schreiben verschickt haben, sondern darauf, welchen Abschnitt Sie wann konkret angekündigt haben und wann dieser Abschnitt beginnt.

Praktisch bedeutet das auch: Zwischen zwei Elternzeit-Abschnitten – etwa wenn Sie zwischenzeitlich wieder arbeiten – kann eine Schutzlücke entstehen. Der zweite Abschnitt ist erst geschützt, sobald die für ihn geltende 8- bzw. 14-Wochen-Frist vor seinem Beginn zu laufen beginnt, selbst wenn Sie ihn schon viel früher angekündigt haben. Nur innerhalb dieses Zeitfensters kann sich der Arbeitgeber nicht darauf berufen, der Schutz habe nur für den ersten Abschnitt gegolten.

Fristen und Form der Ankündigung – worauf es ankommt

Damit der Schutz tatsächlich greift, muss Ihre Ankündigung bestimmten Anforderungen genügen:

Wenn Sie mehrere Abschnitte gleichzeitig planen, lohnt es sich, alle Zeiträume so früh und so konkret wie möglich in einem Schreiben zu benennen – das schafft Klarheit über die jeweiligen Schutzfristen und nimmt dem Arbeitgeber jeden Spielraum für die Behauptung, ein späterer Abschnitt sei „noch nicht angekündigt“ gewesen.

Was passiert bei einer Kündigung trotz Schutz?

Kündigt Ihr Arbeitgeber, obwohl der Kündigungsschutz nach § 18 BEEG greift, ist diese Kündigung unwirksam. Sie müssen sich dagegen aber aktiv wehren: Die Kündigungsschutzklage ist innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung beim Arbeitsgericht einzureichen, sonst gilt die Kündigung als wirksam – unabhängig davon, ob der Schutz eigentlich bestanden hätte. Diese Frist läuft unabhängig davon, ob Sie sich zunächst außergerichtlich mit dem Arbeitgeber auseinandersetzen.

Ein typischer Fall aus der Praxis

Eine Arbeitnehmerin kündigt gegenüber ihrem Arbeitgeber in Textform an, dass sie im ersten Lebensjahr ihres Kindes zwölf Monate Elternzeit nehmen möchte und – bereits in derselben Nachricht – zusätzlich drei Monate Elternzeit zum Zeitpunkt der Einschulung, mehrere Jahre später. Nach ihrer Rückkehr aus dem ersten Abschnitt arbeitet sie zunächst wieder regulär. Zehn Wochen vor dem geplanten Beginn des zweiten Abschnitts – also bereits innerhalb der für ihn geltenden 14-wöchigen Vorwirkungsfrist – erhält sie eine betriebsbedingte Kündigung. Der Arbeitgeber argumentiert, der Kündigungsschutz gelte erst mit dem tatsächlichen Beginn der Elternzeit. Das ist falsch: Da der zweite Abschnitt rechtzeitig angekündigt wurde und die Kündigung innerhalb seiner eigenen 14-Wochen-Frist ausgesprochen wird, ist auch dieser Abschnitt bereits vorwirkend geschützt – die Kündigung ist unwirksam, sofern die Arbeitnehmerin fristgerecht klagt.

Häufige Fehler

Häufige Fragen

Muss ich alle Elternzeit-Abschnitte auf einmal ankündigen, damit der Schutz für alle gilt?

Nein, Sie können Abschnitte auch nacheinander ankündigen. Entscheidend ist nur, dass Sie jeden Abschnitt rechtzeitig – also innerhalb der jeweils geltenden Vorlauffrist – in Textform anmelden. Werden mehrere Abschnitte in einem Schreiben angekündigt, beginnt der Schutz für jeden Abschnitt trotzdem gesondert nach seiner eigenen Frist.

Gilt der Schutz auch, wenn zwischen zwei Elternzeit-Abschnitten wieder gearbeitet wird?

Nicht automatisch. Der vorwirkende Schutz knüpft an die Ankündigung des jeweiligen Abschnitts an, beginnt aber erst höchstens 8 bzw. 14 Wochen vor dessen eigenem Beginn. Zwischen zwei Abschnitten, in denen Sie wieder arbeiten, kann daher eine Schutzlücke entstehen, selbst wenn der nächste Abschnitt schon angekündigt ist – geschützt sind Sie für diesen Abschnitt erst wieder, sobald seine 8- bzw. 14-Wochen-Frist vor Beginn zu laufen beginnt.

Was, wenn mein Arbeitgeber die Frist für den zweiten Abschnitt anders berechnet als ich?

Maßgeblich ist das Gesetz, nicht die Berechnung des Arbeitgebers. Weichen die Angaben voneinander ab, sollten Sie die Fristen anwaltlich prüfen lassen, bevor Sie sich auf eine Darstellung des Arbeitgebers einlassen – gerade bei mehreren Abschnitten mit unterschiedlichen Vorlauffristen passieren hier häufig Rechenfehler.

Kann der Arbeitgeber trotz Kündigungsschutz ausnahmsweise kündigen?

In besonderen Fällen ja, aber nur mit vorheriger Zustimmung der zuständigen Landesbehörde. Eine Kündigung ohne diese behördliche Zulässigkeitserklärung ist während des Schutzzeitraums unwirksam, selbst wenn der Arbeitgeber betriebliche Gründe anführt.

Wie lange habe ich Zeit, gegen eine unwirksame Kündigung vorzugehen?

Drei Wochen ab Zugang der Kündigung. Diese Frist gilt strikt, auch wenn die Kündigung offensichtlich gegen den Kündigungsschutz verstößt – wird sie versäumt, gilt die Kündigung als von Anfang an wirksam.

Ihr nächster Schritt

Planen Sie mehrere Elternzeit-Abschnitte oder haben Sie bereits eine Kündigung erhalten, obwohl Sie sich im Kündigungsschutz sehen – warten Sie nicht ab. Gerade bei mehreren Abschnitten mit unterschiedlichen Fristen lohnt sich eine frühzeitige Prüfung, damit keine Schutzlücke entsteht und keine Klagefrist verstreicht. Mehr zu Ihren Rechten rund um Kündigung, Fristen und Arbeitsverhältnis finden Sie auch auf meiner Themenseite Arbeitsrecht. Vereinbaren Sie ein Erstgespräch – ich prüfe Ihre Fristen und Ihre Situation konkret und sage Ihnen, wie ich für Sie vorgehe.

Dieser Beitrag gibt allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Stand: 2026-08-14.

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